ZWeR 2026, 279

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln 2199-1723 Zeitschrift für Wettbewerbsrecht ZWeR 2026 AufsätzeJan-Frederick Göhsl*

Das Verhältnis der Europäischen Fusionskontrolle und der Kartelltatbestände

Das Verhältnis zwischen der Europäischen Fusionskontrolle und den primärrechtlichen Tatbeständen des Kartellrechts in Art. 101 und Art. 102 AEUV ist durch die jüngere europäische und nationale Rechtsprechung in den Fokus der Betrachtung gerückt. Nachdem der EuGH in Towercast das grundsätzliche Nebeneinander von FKVO und Art. 102 AEUV bestätigt hatte, bot sich dem EuGH in den Rechtssachen EVH 1 und EVH 2 sowie dem BGH in Kartellbehördliche Zuständigkeiten jeweils die Gelegenheit, einzelne weitreichende Folgefragen der Towercast-Rechtsprechung zu behandeln. Das Ergebnis ist ein komplexes Geflecht aus Fragen zur genauen Reichweite von Towercast, der Anwendung von Vertrauensschutzgesichtspunkten und der in den EVH-Entscheidungen parallel gestärkten Fallgruppe von Kartellabreden, die lediglich „bei Gelegenheit“ eines Zusammenschlusses getroffen wurden und deshalb einer vollständigen Ex-post-Kontrolle unterliegen.
Der vorliegende Beitrag nimmt diese einzelnen Entscheidungsstränge in den Blick und führt sie am Beispiel des vom BGH entschiedenen Falles Kartellbehördliche Zuständigkeiten zusammen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Zulässigkeit und Reichweite einer Doppelkontrolle von bereits nach der FKVO freigegebenen Zusammenschlüssen. Es wird aufgezeigt, dass der BGH die Reichweite der Towercast-Entscheidung an zwei entscheidenden Stellen überdehnt hat: Einerseits im Verhältnis zur Fallgruppe der Kartellabsprache „bei Gelegenheit“ eines Zusammenschlusses, wie sie in den jüngsten EVH-Entscheidungen des EuGH konturiert wurde und andererseits hinsichtlich der Reichweite des zu gewährenden Vertrauensschutzes nach einer Freigabeentscheidung mit Verpflichtungszusagen.

Inhaltsübersicht

  • I. Einleitung
  • II. Anwendung der Art. 101 und Art. 102 AEUV bei Zusammenschlüssen unterhalb der Aufgreifschwellen
    • 1. Hintergrund
    • 2. Auswirkungen
    • 3. Folgefragen
      • 3.1 Materieller Prüfungsmaßstab
      • 3.2 Anwendbarkeit der VO 1/2003 auf Zusammenschlüsse unterhalb der Schwellenwerte
  • III. Echte Doppelkontrolle
    • 1. Regeln der FKVO als lex specialis?
    • 2. Grundsatz der Rechtssicherheit und Vertrauensschutz als primärrechtliche Schranken
      • 2.1 Doppelkontrolle nach Art. 102 AEUV
      • 2.2 Doppelkontrolle nach Art. 101 AEUV
        • 2.2.1 Anwendbarkeit des Art. 101 AEUV
        • 2.2.2 Vertrauensschutzgesichtspunkte
      • ZWeR 2026, 280
      • 2.3 Sonderstellung der fusionsbegleitenden Abreden
  • IV. Doppelkontrolle bei Umsetzung von Verpflichtungszusagen
    • 1. Konnex zwischen Zusammenschluss und Umsetzung von Verpflichtungszusagen fraglich
    • 2. Vertrauensschutzerwägungen
      • 2.1 Prognosezeitraum und Marktstrukturveränderungen
      • 2.2 Rolle der Verpflichtungszusagen als Marktöffnungsvorschriften
      • 2.3 Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit und effektiver Schutz des Wettbewerbs
  • V. Fazit
*
*)
Prof. Dr. iur., LL.M. (UCL), LL.B. (Law and Economics), Inhaber einer Juniorprofessur für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Rechtsfragen der Digitalisierung an der Universität Münster. Gemäß der ASCOLA Declaration of Ethics bestehen keine Interessenkonflikte.

Der Inhalt dieses Beitrags ist nicht frei verfügbar.

Für Abonnenten ist der Zugang zu Aufsätzen und Rechtsprechung frei.


Sollten Sie über kein Abonnement verfügen, können Sie den gewünschten Beitrag trotzdem kostenpflichtig erwerben:

Erwerben Sie den gewünschten Beitrag kostenpflichtig per Rechnung.


PayPal Logo

Erwerben Sie den gewünschten Beitrag kostenpflichtig mit PayPal.

Erweiterte Suche

Seminare

Rubriken

Veranstaltungsarten

Zeitraum

Bücher

Rechtsgebiete

Reihen



Zeitschriften

Aktuell