ZWeR 2023, 309
Die Kunst der Schadensberechnung – Die erste Entscheidung des UK Competition Appeal Tribunal in Sachen LKW-Kartell
Die erste Entscheidung des UK Competition Appeal Tribunal zum LKW-Kartell bietet wertvolles Anschauungsmaterial für die zivilrechtliche Aufarbeitung von Kartellverstößen und für die dabei im Mittelpunkt stehende Schadensberechnung. Die Entscheidung zeigt exemplarisch das Spannungsverhältnis zwischen Präzision und Pragmatismus auf, das die Gerichte vor dem Hintergrund bestehender Erkenntnisgrenzen und daraus resultierender Unsicherheit aufzulösen haben. Das Tribunal schätzt den kartellbedingten Preisaufschlag auf Grundlage qualitativer Plausibilitätserwägungen und ökometrischer Berechnungen auf 5 Prozent der kartellierten Umsätze und weist sämtliche Einwände zur Vorteilsausgleichung zurück, wobei die Streuschadenproblematik nicht zuletzt wegen des vorliegenden Minderheitsvotums von besonderem Interesse ist.
Inhaltsübersicht
- I. Einleitung
- II. Ausgangslage
- III. Rechtliche Grundlagen der Schadensfeststellung
- 1. Kontrafaktisches Szenario
- 2. Nachweiserleichterungen im Common Law
- 3. Qualitative Schadenstheorien
- 4. Ökonometrische Methoden
- IV. Schadensfeststellung dem Grund nach
- 1. Bedeutung der vorgetragenen Schadenstheorien
- 1.1 Indizielle Bedeutung der Kommissionsentscheidung
- 1.2 Mögliche Preiseffekte
- 1.2.1 Koordinierte Effekte
- 1.2.2 Nullschaden?
- 2. Regressionsanalysen
- 2.1 Vergleichsmärkte
- 2.2 Wechselkursschwankungen
- 2.3 Finanzkrise
- 3. Gesamtabwägung
- V. Feststellung der Schadenshöhe
- 1. Schätzung des kartellbedingten Preisaufschlags
- 2. Bezugsgröße des Preisaufschlags
- 2.1 Abgastechnologien
- 2.2 Aufbauten
- VI. Vorteilsausgleichung und Pass-on
- 1. Rechtliche Maßstäbe
- 2. Spielarten der Vorteilsausgleichung
- 3. Abwälzung des Preisaufschlags auf nachgelagerte Märkte
- 4. Minderheitsvotum
- 5. Darlegungslast und Streuschäden im Vergleich
- VII. Schluss
- *
- *)Dr. iur., Richter am Bundesgerichtshof
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