ZWeR 2017, 205

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 2199-1723 Zeitschrift für Wettbewerbsrecht ZWeR 2017 AufsätzeBenjamin Franz / Rupprecht Podszun*

Nach Huawei/ZTE: Die kartellrechtliche Zwangslizenz im Patentverletzungsprozess

Der EuGH hat mit der Entscheidung in der Sache Huawei/ZTE1 die Diskussion um die kartellrechtliche Zwangslizenz nicht etwa geklärt, sondern nur in eine neue Bahn gelenkt. Die zentrale Frage bleibt, wie die Zwangslizenz im Verfahren operationabel gemacht wird. Nach einem Überblick über die Grundlagen (II) wird anhand der Neuerungen der Entscheidung des EuGH die kartellrechtliche Zwangslizenz als Verfahrensproblem betrachtet (III). Im Anschluss werden die wesentlichen inhaltlichen Problemfelder identifiziert, deren Lösung das durchzuführende Verfahren zu leisten hat (IV). Dazu werden alternative Konfliktlösungsmöglichkeiten vorgestellt (V). Ein Fazit schließt die Betrachtung ab. Die Huawei-Entscheidung ist bereits Gegenstand zahlreicher Aufsätze geworden.2 Der vorliegende Text soll die Diskussion erstens um eine weitere Auswertung der inzwischen ergangenen Folge-Urteile bereichern. Zweitens wird in diesem Beitrag versucht, das Problem stärker anhand von drei Grundgedanken zu analysieren, die in Teil I 3 vorgestellt werden.

Inhaltsübersicht

  • I. Ausgangslage
    • 1. Rechtsprechung des EuGH
    • 2. Der Zwangslizenz-Einwand vor Huawei/ZTE
    • 3. Parameter der Analyse
      • 3.1 Instanzrechtsprechung als Entdeckungsverfahren
      • 3.2 Kartellrechtlicher Ansatz
      • 3.3 Verschiebung von Verhandlungsgewichten
  • II. Bedingungen der Lizenzierung als Verfahrensproblem
    • 1. Entscheidung Huawei/ZTE
    • 2. Anwendung auf Sachverhalte ohne (F)RAND-Erklärung des Schutzrechtsinhabers?
      • 2.1 Fehlende oder unwirksame Lizenzbereitschaftserklärung
      • 2.2 Lizenzbereitschaftserklärung eines Rechtsvorgängers
      • 2.3 De facto-Standards
    • 3. Formaler Ablauf nach Huawei
      • 3.1 Verletzungsanzeige und Anhörung
      • 3.2 Lizenzbereitschaftserklärung
      • 3.3 Lizenzvertragsangebot des Schutzrechtsinhabers
      • 3.4 Die Reaktion des Lizenzsuchers
        • 3.4.1 Option Ablehnung
        • 3.4.2 Option Gegenangebot
      • 3.5 Sicherheitsleistung und Abrechnung bei Ablehnung des Gegenangebots
        • 3.5.1 Zeitpunkt
        • 3.5.2 Höhe
      • 3.6 Prüfung des Gegenangebots
    • ZWeR 2017, 206
    • 4. Rechtsfolgen bei Abweichung von der Huawei-Roadmap
      • 4.1 Nichtbeachtung der Vorgaben in neuen Fällen
      • 4.2 Umgang mit Altfällen
  • III. Bedingungen der Lizenzierung als „Inhaltsproblem“
    • 1. Lizenzgebühren
      • 1.1 Kontrolle und Bestimmung im gerichtlichen Verfahren
        • 1.1.1 Notwendigkeit der Entscheidung
        • 1.1.2 Gebührenspanne statt Gebühr
        • 1.1.3 Keine FRAND-Vermutung
        • 1.1.4 Möglichkeit der Lösung über § 315 Abs. 3 BGB
      • 1.2 Bestimmung
        • 1.2.1 Immaterialgüterrechtlicher Ansatz
        • 1.2.2 Regulatorischer Ansatz
        • 1.2.3 Kartellrechtlicher Ansatz
        • 1.2.4 Blick in die USA
        • 1.2.5 Poollizenz- oder Gesamtstandardraten-Teilung
        • 1.2.6 Diskussion
    • 2. Vertragsbedingungen
      • 2.1 Bedingtes Gegenangebot
      • 2.2 Befristetes Gegenangebot
      • 2.3 Beschränkung und Erweiterung hinsichtlich des Lizenzgegenstandes
      • 2.4 Beschränkung auf verletzende Ausführungsform
      • 2.5 Nichtangriffsabreden
      • 2.6 Abschmelzklausen bei Bündellizenzen
      • 2.7 Hinterlegung
    • 3. Zwischenergebnis
  • IV. Alternative Konfliktlösungsmechanismen
    • 1. Schiedsgerichtsbarkeit und Arbitration
      • 1.1 Ausgliederung in private Schlichtungsverfahren
      • 1.2 Fehlender wettbewerblicher Ordnungszugriff
      • 1.3 Diffusion von Technologie statt Distribution von Rechten
    • 2. Festlegung durch SSO bei gesteuerter Standardisierung
    • 3. Black-Box-Ansatz
    • 4. Koordinierte Festlegung durch Parteien und Kartellbehörden
    • 5. Bewertung
  • V. Fazit
*
*)
Dr. iur. Benjamin Franz ist Rechtsanwalt bei SCHULTE RIESENKAMPFF. in Frankfurt/M.; Prof. Dr. iur. Rupprecht Podszun ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, deutsches und europäisches Wettbewerbsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Affiliated Research Fellow am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, München
1
1)
EuGH v. 16. 7. 2015 – Rs C-170/13, WuW/E EU-R 3321 – Huawei/ZTE.
2
2)
Angwenyi, GRUR Int. 2017, 105; Bock, GRUR 2017, 121 ff.; Buntscheck, NZKart 2015, 521; Conrad, CR 2016, 157; Cordes/Gelhausen, MittPatA 2015, 426; Fuchs, NZKart 2015, 429; Hauck, NJW 2015, 2767; Heinemann, GRUR 2015, 855; Henke/Müller, MittPatA 2016, 62; Henningsson, IIC 2016, 438 ff.; Kamlah/Hauck, GRUR 2016, 420 ff.; Kau, GRUR-Prax 2017, 65; Mazutti/Batista, IIC 2016, 244; Palzer, EuZW 2015, 702; Walz, GRUR Int 2016, 513; Weber/Dahm, GRUR-Prax 2017, 67; allgem. auch Hartwig, GRUR Int. 2016, 102 ff.; Montag/von Bonin, NJW 2016, 3738.

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